Flandern - Die KunststädteDas an der Schelde gelegene Antwerpen (Internet: www.visitantwerpen.be) war im Spätmittelalter eine der einflußreichsten Städte Europas. Das Zentrum der Stadt ist der Grote Markt (Großer Marktplatz) mit dem Brabo-Brunnen und einem prächtigen Rathaus, das eine ganze Platzseite für sich einnimmt und Mitte des 16. Jahrhunderts von Cornelius de Vriedt im flämischen-italienischen Renaissance-Stil erbaut wurde. Entlang der anderen Seiten des Grote Markt stehen elegante Zunfthäuser wie das De Oude Waag (Haus der Tuchmacher) von 1644 und das Rodenborg (Haus der Gerber). Wenige Minuten vom Rathaus entfernt führen verwinkelte Altstadtgassen zum spätgotischen Vleeshuis (Alte Fleischerhalle), das Anfang des 16. Jahrhunderts im Specklagenstil (Schichten aus rotem Backstein und weißem Sandstein) errichtet wurde. Hier ist heute das Stadtmuseum untergebracht. Die aus Sandstein gebaute Onze-Lieve-Vrouw-Kathedraal (Liebfrauen-Kathedrale) mit ihrem 123 m hohen Turm ist die größte gotische Kirche im niederländischsprachigem Raum und steht am Handschoenmarkt. Die Kathedrale wurde zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert aus hellem Sandstein erbaut, in den Innenräumen sind mehrere Gemälde von Rubens zu bewundern. Unter anderem befinden sich hier die Kreuzaufrichtung und die Kreuzabnahme. Eine Statue von Peter Paul Rubens steht auf dem Groenplaats (Grünplatz). In Het Steen, einer alten Burg aus dem 9. Jahrhundert, die an der Schelde steht, ist heute das Nationale Schiffsfahrtmuseum untergebracht. Interessant ist auch das berühmte Plantin-Moretus-Museum am Vrijdagmarkt, das im 16. Jahrhundert Werkstatt und Wohnhaus des Humanisten und Verlegers Christoffel Plantijn war. Man kann Austellungsstücke zur Geschichte der Buchdruckkunst vom 15. bis 18. Jahrhundert besichtigen, u.a. sind hier historische Druckerpressen und frühe Exemplare der Buchdruckkunst ausgestellt. Das Museum für Zeitgenössische Kunst (MUHKA) besitzt eine große Sammlung überwiegend belgischer Kunst von den 1970ern bis heute. Im Königlichen Museum der Schönen Künste im Süden der Stadt findet der Besucher umfangreiche Sammlungen der Werke älterer Maler. Selbstverständlich sind auch Werke von Van Dyck, Bruegel, Tizian, Lucas Cranach und natürlich Rubens vertreten. In Antwerpen gibt es jedoch auch ausgefallenere Museeun, wie das Frietkotmuseum (Pommesmuseum). Hier erfährt man alles über die berühmten belgischen frites. Das prächtige Rubens-Haus (frühes 17. Jahrhundert) mit Renaissance-Garten zeigt Gemälde des Künstlers und seiner Werkstatt. Rubensgemälde sind auch in der spätgotischen St. Jacobskirche (15./16. Jahrhundert), in der der Rubens begraben wurde, der St. Pauluskirche (1571-1680) im Norden der Stadt und dem Rockox-Haus (17. Jahrhundert) zu sehen. Antwerpen ist jedoch nicht nur die Stadt Peter Paul Rubens und Van Dycks, sondern auch eine weltbekannte Diamantenstadt. Schon im Mittelalter spielte die Stadt eine wichtige Rolle im internationalen Diamantenhandel und heute wird hier rund die Hälfte der Weltproduktion an geschliffenen Diamanten produziert. Das sogenannte Diamantenviertel mit seinen unzähligen Diamantenfirmen, -schleifern, Schmuckgeschäften und Diamantenbörsen liegt nicht weit vom Hauptbahnhof entfernt. Im Herzen dieses Viertels befindet sich auch das bekannte Diamantmuseum Provincie Antwerpen (Diamantenmuseum). Auch in der internationalen und europäischen Modeszene steht Antwerpen ganz vorne. In den letzten Jahren hat sich die Stadt zu einem wahren europäischen Modezentrum entwickelt. Dries van Noten, Ann Dermeulemeester und Marina Yee sind nur einige Absolventen der Antwerpener Modeakademie, die sich als berühmte Designer einen Name gemacht haben. Die Modeszene ist in der Gegend um die Nationalestraat angesiedelt, hier steht auch das ModeNatie, ein großes Gebäude, in dem sich das Flanders Fashion Institute, das Modemuseum und die Modeakademie befinden. Der Tuchhandel verhalf dem tausendjährigen Brügge (Internet: www.brugge.be) im Mittelalter zu Wohlstand. Die vielen Kanäle, die Kathedrale, die Tuchhalle, der Grote Markt und interessante Museen sind Anziehungspunkte dieser malerischen Stadt. Beliebtes Fotomotiv ist der hübsche Beginenhof am alten Hafen (1245 erbaut), ein ehemaliger Frauenstift. In der Liebfrauenkirche steht eine Madonna von Michelangelo. Die gotische Kapelle des Hl. Basilius mit romanischer Krypta beherbergt den Reliquienschrein des Heiligen Blutes. Das im mittelalterlichen Sint Jans-Spital untergebrachte Memling-Museum erinnert an den berühmten Maler (Schrein der Hl. Ursula). Im Groeninge-Museum sind die Gemälde der altflämischen Meister (u.a. Jan van Eyck) zu bewundern. Das Rathaus stammt aus dem 14. Jahrhundert; der prächtige, gotische Ratssaal kann besichtigt werden. Auf den Grachten kann man Bootsfahrten unternehmen, genauso schön ist eine Stadtrundfahrt per Kutsche. Vom alten Stadtturm hat man einen herrlichen Rundblick über Brügge und teilweise bis ins reizvolle Polderland. Gent (Internet: www.gent.be) kann auf eine stolze Vergangenheit zurückblicken: Geburtsort von Kaiser Karl V., Hauptstadt der alten Grafschaft Flandern und im Mittelalter bedeutendes Zentrum des Tuchhandels. Sehenswert sind die Kathedrale St. Baaf (mit dem weltbekannten Genter Altar der Brüder van Eyck), das Rathaus, die Tuchhalle (15. Jahrhundert), die imposante Burg s’Gravensteen (1180) und das mittelalterliche Schloß Geraard de Duivelsteen, das prächtige d’Hanesteenhyse-Palais, das mittelalterliche Stadtzentrum und das Museum der Schönen Künste (flämische Meister). Der Blumenmarkt am Kouter sonntagmorgens ist ein Geheimtip. Schön ist auch ein Bummel am Graslei-Kai, an dem hübsche Zunfthäuser aus dem 12.-15. Jahrhundert stehen. Alte Zunfthäuser schmücken auch den Vrijdagmarkt (Freitagsmarkt), einen großen Platz in der Stadtmitte.
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