Die geographische Mitte Frankreichs von Chartres bis Châteauroux und von Tours bis Bourges umfaßt die Departements Eure-et-Loir, Loiret, Loir-et-Cher, Indre, Indre-et-Loire und Cher. Bezieht man die westliche Loire-Region mit ein, müssen die Departements Loire-Atlantique, Vendée, Maine-et-Loire und Mayenne hinzugezählt werden. Vendée und Loire-Atlantique teilen sich einen wunderschönen, wilden Küstenstrich mit der Bretagne. Im westlichen Loiregebiet liegt der Badeort La Baule, mit einem sehr schönen Strand. La Baule ist ein liebenswertes Dorf mit verwinkelten kleinen Gassen, ausgezeichneten Hotels, Restaurants und einem Spielkasino. Die historische Stadt Le Mans, für ihre Rennstrecke bekannt, liegt auf einem Hügel, der das Westufer der Sarthe überblickt. Das Chorgestühl in der Kathedrale des Saint-Julian ist aus dem 12. Jahrhundert und eines der bekanntesten Frankreichs. Die Buntglasfenster aus dem 13. und 14. Jahrhundert sind beeindruckend. Die Touristenattraktion Nummer Eins im Loiretal liegt im Zentrum der Loire-Region. Die berühmten Schlösser dieser Region stehen in der Besuchergunst ganz oben. Die Loire ist der längste Fluß Frankreichs und gilt als »launenhaft«, es kommt vor, daß sie in ihrem sandigen Flußbett nur sehr wenig Wasser führt und als bloßes Rinnsaal dahinfließt. Der Cher fließt ruhig und gemächlich durch grüne Wiesen und Wälder mit riesigen alten Bäumen. Das Schloß von Chenonceaux war ursprünglich eine Wassermühle und wurde erst später in eines der schönsten französischen Châteaus umgebaut. Es steht buchstäblich auf dem Fluß; seine Empfangssäle erstrecken sich, auf zierlichen Bögen ruhend, von einem Flußufer zum anderen. In den stillen Wassern des Indre spiegeln sich Lilien und Trauerweiden. Beim Bau des Schlosses bei Azay-le-Rideau versuchte man, sich die Effekte der Wasserspiegelung zunutze zu machen und legte die zahlreichen kleinen Seen so an, daß sie jeweils einen anderen Teil des Schlosses widerspiegeln. Wasser wird in Kanälen vom Fluß in die Seen und von den Seen zurück zum Fluß geleitet, die ihrerseits ebenfalls durch Kanäle verbunden sind. Die Wassergärten und die sich im Wasser spiegelnden kunstvollen Fassaden des Schloßes lassen das eher triste Innere des Châteaus vergessen. Die Vienne ist ein breiter Strom; er gleitet würdevoll unter den verwitterten Mauern des alten Chinon dahin. Das architektonisch bemerkenswerte Château von Blois steht im Zentrum einer alten Ortschaft gleichen Namens und blickt auf die eng beieinanderstehenden Häuser aus verwittertem Stein zu seinen Füßen. Chambord, einige Kilometer südlich der Loire gelegen, ist das bedeutendste der großen Châteaus. Es steht inmitten einer großen Grünfläche am Waldrand und ist von einem Schloßgraben umgeben. Das Hauptgebäude zeichnet sich durch seine majestätische Symmetrie aus. Die exzentrische Wendeltreppe wird Leonardo da Vinci zugeschrieben. Da die Sommer im Loiretal sehr heiß sind und überdies die meisten Touristen in dieser Zeit in die Gegend kommen, empfiehlt es sich, etwas früher anzureisen. Insbesondere in den Monaten Mai und Juni ist es im Loiretal am schönsten. Neben den Châteaus gibt es viele andere interessante Sehenswürdigkeiten im Loiretal und in den angrenzenden Gebieten. Die wundervollen Kathedralen von Chartres und Tours aus dem 13. Jahrhundert sind ebenso sehenswert wie Klöster, Herrenhäuser und die vielen bezaubernden Ortschaften, die an den Flußufern liegen. Nantes, an der Küste von Loire-Atlantique gelegen, ist ein lebendiges Industrie- und Handelszentrum. In der mittelalterlichen Burg ist heute das Musée d’Art Populaire untergebracht. Eine Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert und ein Flottenmuseum gibt es ebenfalls zu besichtigen. Flußaufwärts liegt die Stadt Angers, hier finden Besucher einige schöne Wandteppiche. In der Burg hängt die »Johannes-Offenbarung« (14. Jh.) und im Hôpital St. Jean Jean Lucrats »Chant du Monde« (20. Jh.). Das Hôpital selbst ist ein sehr schönes Gebäude und allein schon sehenswert. Mehrere Museen und Kunstgalerien, die wundervolle Festung und die Kathedrale machen die Stadt zu einem beliebten Ausflugsziel. Orléans hat eine schöne Kathedrale, ein Musée des Beaux Arts und ein zauberhaftes Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Das im 15. Jahrhundert gegründete Bourges mit seinen Herrenhäusern, Museen und der Kathedrale St. Etienne hat seinen alten Stadtkern bewahrt. Die hübsche Kleinstadt Loches südöstlich von Tours hat ein schönes Schloß, und ein Spaziergang durch das mittelalterliche, von alten Stadtmauern umgebene Viertel der Stadt lohnt sich. Die eigentliche französische Küche entwickelte sich im Herzen der Touraine – ideale Voraussetzungen hierfür waren die guten Weinberge, der Fischreichtum der Loire und ihrer Nebenflüsse, reichlich Butter und Käse, Obst, Gemüse und wildreiche Wälder. Die Weine der Loire haben einen klaren, erfrischenden Geschmack – man trinkt sie zu leichten Zwischenmahlzeiten und als Aperitif.
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